Heimat- und Geschichtsverein Lorsbach e. V.

 

Lorsbachs Lederindustrie

Die Geschichte der industriellen Lederbearbeitung in Lorsbach begann mit Johann Peter Roth, der im Jahr 1850 in der Trutzmühle, am Ortsausgang Richtung Eppstein, Lorsbachs erste Lederfabrik einrichtete. Nach einem Eigentümerwechsel und dem weiteren Ausbau waren hier 1881 bereits etwa 120 Arbeiter beschäftigt. In den folgenden Jahren wurden auch in anderen ehemaligen Mühlen Lederfabriken eingerichtet, dies waren z. B. Wirz & Kathrein, Rühl & Reichleser und die Nassauischen Lederwerke.

Ausschlaggebend für die Ansiedlung von Lederindustrie im Lorsbachtal war der Schwarzbach. Zum einen konnte dessen Wasserkraft zum Antrieb von Maschinen mittels Mühlrädern und später Turbinen genutzt werden, zum anderen ist dessen Wasser von seiner Beschaffenheit her für Gerbereizwecke gut geeignet. Auch die seit dem Jahr 1877 durch Lorsbach führende Eisenbahnlinie förderte durch ihre Transportmöglichkeiten die Ansiedlung der Lederindustrie.

Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren mit den beiden Weltkriegen und der dazwischen liegenden Wirtschaftskrise führte in den 1950er Jahren technischer Fortschritt, durch den in den Lederfabriken Arbeitsgänge rationalisiert werden konnten, noch einmal zu einem Aufblühen der Lederindustrie. In den Lorsbacher Lederfabriken waren um 1957 ca. 300 Arbeiter beschäftigt. Keine 20 Jahre später begann der Niedergang der Lorsbacher Lederindustrie, der im Jahr 1991 mit der Schließung der letzten Lederfabrik ihren Abschluss fand. Ursache dafür waren steigende Anforderungen an Arbeits- und Umweltschutz, die größere Investitionen erfordert hätten und eine im Ausland günstiger produzierende Konkurrenz.

Fast 100 Jahre lang bestimmten Lederfabriken das Lorsbacher Ortsbild und boten vielen Menschen Arbeit.

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